Der Zwang der Emanzipation

April 28, 2009 at 8:11 (Nachdenklichkeiten)

Ich fahre ja viel mit dem Bus. Und Busfahren regt zum Nachdenken an, besonders wenn man von latenten Übelkeitsgefühlen beim Lesen in öffentlichen Verkehrsmitteln geplagt wird (was mich echt ärgert, so viel vergeudete Zeit, die man in gute Geschichten investieren könnte…) und die Menschen um einen herum doch oft so interessant sind, dass man sich schlecht auf ein Hörbuch konzentrieren kann… seid ihr schonmal morgens vor sechs Uhr in dieser Stadt Bus gefahren… das bekommt „Zombie-Town-Mainz“ eine ganz andere Bedeutung und ihr werdet nie wieder schlecht über den Kaffeestand am Bahnhof sprechen…

Ich schweife ab. Heute galten im Bus meine Gedanken RedHeadJus Kommentar zum letzten Beitrag.

Kürzlich habe ich von einer guten Freundin – passend zur allgemeinen Lebenslage – das Buch „Das Uschi-Prinzip. Von allem nur das Beste. Wie Frauen bekommen was sie wollen.“ ausgeliehen bekommen. Ich muss hiermit – natürlich um meine Ehre als intellektuelle Frau mit Hochschuabschluss (*hust*) zu retten – sagen, dass ich das Buch zur Seite gelegt habe, bevor ich über die Mitte hinaus war. Zusammenfassend lässt sich die Aussage dieses Buches so ziemlich genau auf folgendes reduzieren: Frauen dieser Welt, tragt HighHeels und stellt auch dumm und lächelt, damit die Männer in eurer Umgebung euch als Frauchen wahrnehmen und euch alle Aufgaben, die euch nicht liegen abnehmen. Sie fühlen sich dadurch gebraucht und geschmeichelt.

Mädels ist das wirklich die Welt, wie sie funktioniert? Erliegen wir den Zwängen unserer Alice-Schwarzer-gesprägten Hippiemütter, die uns beibrachten, dass wir alles selbst können? Ist der wirkliche intelligente Schritt der Emanzipation, Männer so zu manipulieren, dass sie das tun, was wir gerne hätten?

Ich mag es bezweifeln… ganz ehrlich? Ich schlepp lieber fünfzig Wasserkisten allein, als dem selbstgefälligen Lächeln meines arroganten Nachbarn ausgesetzt zu sein. Ich habe nichts gegen produktive Arbeitsteilung, wenn das bedeutet, dass der Mann neben mir die Wäsche gern für mich bügelt und ich dafür unter seinem Auto liegen darf. Das ist gesellschaftlich funktional und vernünftig. Ich muss nicht alles selbst können. Aber muss ich meine Alt-68er-Erziehung wirklich an den Nagel hängen, nur um es ein bisschen einfacher im Leben zu haben? Oder ist es nicht gerade schön, die eigenen (Un-)Fähigkeiten voll und ganz auszuleben?

 

Was meint ihr dazu?

1 Kommentar

  1. Oma Wetterwachs sagte,

    Okay, ich habe mich gerade für einen anderen Namen entschieden, von Die gute Fee auf (siehe oben). Oma Wetterwachs gehört auch nur zu den guten Hexen, weil ihre Schwester schon die Rolle der Bösen übernommen hat. Soviel dazu.
    Liebe Hexe des Westens, ich denke, das Uschi-Prinzip gehört zu den Dingen, die verbrannt werden sollten!
    Viele Jahre wurden die Frauen unterdrückt (ja, es ist nun einmal so) und jetzt, wo sich die Dinge endlich verändern, beginnen manche Frauen wieder, sich wie kleine Blödchen zu benehmen, nur um den Männern zu gefallen. Macht das Sinn? Haben diese Frauen keinen Stolz?
    Ich will hier nicht als Kampfemanze dastehen (wobei das Wort Emanzipation im Grunde eine absolute Frechheit ist – siehe Wikipedia), aber ich bin für Gleichberechtigung. Und Frauen, die nach dem Uschi-Prinzip leben, werfen uns um Jahrhunderte zurück. Kein Wunder, dass Männer solche Frauen nicht ernst nehmen! Und wo kämen wir hin, wenn sich alle Frauen so benehmen würden? – Richtig, in den Harem!

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